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von Christiane Sommer (Nichte von Heinrich und Walburga Hanewinkel)

Ich kenne das alte Haus vor Onkel Heinrich und Tante Walburgas Hochzeit mit den drei Einheiten Post, Laden, Kneipe/Saal. Im November 1968 bei der kirchlichen Hochzeit von den beiden war der Umbau fertig. Ein Jahr vorher war die standesamtliche Hochzeit, dann ca. ein Jahr Umbauphase. Das Haus und die Arbeit in dem Haus waren Onkel Heinrichs und Tante Wallis Leben, sie waren glücklich damit, es war ihr Projekt. Nach Onkel Heinrichs plötzlichen Tod hat Tante Walli die Aufgabe des Geschäfts bewusst lange hinausgezogen, der Umzug nach Steinheim war 2002.

Auch danach hat sie den Verkauf des Hauses nicht forciert – ich kann sie verstehen, weil ich weiß, wie viel Herzblut sie und Onkel Heinrich darein gesteckt haben, sie wollte die Ära Hanewinkel in Bredenborn nicht beenden. In den 4 letzten Jahren auch bedingt durch ihre Krankheit hat sie das Projekt einfach verdrängt. Für uns kamen mit der Entscheidung zum Abbruch viele Erinnerungen und auch ein schlechtes Gewissen hoch. Dadurch, dass ich jede Ferien in Bredenborn war, kann ich mich an viele Details aus dem Leben im Hanewinkel Haus erinnern.

Vieles hat mich geprägt. Ladenöffnungszeiten waren kein Thema, es gab keine Mittagspause und keine Mahlzeit, bei der es nicht klingelte und einer aufsprang, um die ankommenden Schüler mit Softeis, den LKW-Fahrer mit Brötchen und Bildzeitung oder die Hausfrau mit den Einkäufen für die nächste Mahlzeit zu bedienen. Sonntags ging es ins Hochamt und dann schnellen Schrittes, bevor die anderen Kirchenbesucher eintrafen, in den Laden. Jeden Sonntagmorgen war der Laden geöffnet. Nicht nur sonntags, auch an allen anderen Tagen verteidigte Onkel Heinrich in vielen Gesprächen lauthals seine politische und gesellschaftliche Meinung. Bredenborn wurde in jeder Hinsicht immer stark verteidigt. Die Gespräche wurden ohne Rücksicht auf Geschäft oder Sonstiges geführt – oft auch streitig – aber ganz ehrlich, wo gibt es das heute noch, dass offen gesprochen wird?

Die Bewirtung auf dem Saal und auf den Schützenfesten ist für mich heute noch ein Wunderwerk. Ich kann immer noch nicht verstehen, wie Tante Walli immer für alle Leute die leckersten Menüs in ihrer normalen Küche mit vier festen Platten und zwei mobilen Platten zauberte. Jede Schüssel und Platte wurde über die steile Treppe nach oben transportiert und leer wieder runtergeholt!

Trotz der vielen Arbeit nahmen Tante Walli und Onkel Heinrich sich Zeit für die andere Seite des Lebens. Sie reisten gerne durch die Welt – natürlich getrennt, weil einer die Stellung halten musste. Sie genossen zusammen viele kulturelle Veranstaltungen und liebten Feste und Feiern – schön, dass sie das gemacht haben! Für mich bleibt die Zeit in Bredenborn und bei Hanewinkels in ganz schöner Erinnerung.

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